Bächner, Alisa

Zählt der Inhalt oder genügt der Eindruck?

Eine experimentelle Analyse über die Erkennung von politischem Bullshit

Seit der ersten Amtszeit Donald Trumps 2016 wird zunehmend von einem „postfaktischen Zeitalter“ gesprochen. Gemeint ist eine Entwicklung, in der Emotionen oft wichtiger erscheinen als überprüfbare Fakten und politische Debatten sich stärker an „gefühlten Wahrheiten“ orientieren. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Bullshit“ verwendet – wissenschaftlich verstanden als Aussagen, bei denen der Wahrheitsgehalt nebensächlich ist und es vor allem darum geht, einen bestimmten Eindruck zu erzeugen. Die zentrale Studie von Pennycook et al. (2015) zeigte, dass individuelle Unterschiede, wie ein intuitiver Denkstil, erklären können, warum manche Menschen empfänglicher für Bullshit sind als andere. Dieses Projekt untersucht, wie gut Menschen Bullshit in einem politischen Kontext erkennen können und welche Faktoren diese Fähigkeit beeinflussen.

Ich gehe davon aus, dass zwei Faktoren bedeutsam sind:

1. Politische Einstellungen: Personen, die gegenüber der CDU/CSU und Markus Söder weder besonders positiv noch besonders negativ eingestellt sind, sollten Bullshit am zuverlässigsten erkennen. Starke politische Sympathie oder Ablehnung könnte dagegen die Wahrnehmung verzerren. Zudem wird untersucht, ob dieses Muster stärker ausfällt, wenn Markus Söder als Urheber genannt wird, also wenn politische Einstellungen besonders aktiviert werden.

2. Analytisches Denken: Wer Informationen eher gründlich prüft statt intuitiv zu urteilen, sollte besser zwischen gehaltvollen und inhaltsarmen Aussagen unterscheiden können.

Mit dieser Untersuchung möchte ich besser verstehen, wie Bürgerinnen und Bürger politische Botschaften einordnen und unter welchen Bedingungen sie besonders empfänglich für inhaltsarme, aber eindrucksvolle Kommunikation sind.

Methode

In der Studie nehmen die Teilnehmenden an einem kurzen Online-Experiment teil. Dabei werden ihnen politische Aussagen gezeigt, die sich in zwei Merkmalen unterscheiden:

1. Inhaltlicher Gehalt der Aussagen (Within-Faktor):
 Einige Aussagen sind vage und inhaltsarm („Bullshit“), andere enthalten klare Argumente und nachvollziehbare Inhalte. Jede Person bewertet die Beispiele aus beiden Kategorien.

2. Absender der Aussagen (Between-Faktor):
 Eine Hälfte der Teilnehmenden sieht die Aussagen anonym, die andere Hälfte sieht sie mit dem Hinweis, dass sie von Markus Söder stammen. Die Zuordnung zu den Gruppen erfolgt zufällig.

Der Ablauf ist für alle Teilnehmenden gleich:
 Zunächst geben sie ihre politischen Einstellungen zu Parteien und bekannten Politiker:innen an. Danach bewerten sie insgesamt acht Aussagen (vier vage, vier gehaltvoll), die in zufälliger Reihenfolge präsentiert werden. Anschließend füllen sie eine kurze Skala zum analytischen Denkstil aus und zum Abschluss Angaben zu ihrer Person.

Ergebnisse

Analytisches Denken erwies sich als signifikanter Prädiktor: Personen mit höherer analytischer Denkbereitschaft konnten besser zwischen gehaltvollen und Bullshit-Aussagen unterscheiden. Gleichzeitig beeinflussten politische Einstellungen die Bewertung politischer Aussagen unabhängig davon ebenfalls. Positive politische Bewertungen gingen mit einer geringeren Differenzierung zwischen Bullshit- und gehaltvollen Aussagen einher, negativere Bewertungen mit einer stärkeren Differenzierung. Der Zusammenhang zwischen analytischem Denken und Bullshit-Erkennung war insgesamt stärker als jener politischer Einstellungen. Zudem zeigte die namentliche Nennung der Quelle (z. B. Markus Söder) keinen generellen Einfluss auf die Bewertung der Aussagen. Unterschiede zwischen Einstellungsgruppen wurden zwar sichtbarer, die Bewertungen selbst blieben jedoch auch ohne explizite Quellenhinweise mit politischen Einstellungen verbunden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich bestimmte rezeptionsseitige Muster, die in bisherigen internationalen Studien beschrieben werden, auch im deutschen politischen Kontext beobachten lassen. Darüber hinaus liefern die Befunde neue Hinweise auf kontextspezifische Ausprägungen dieser Muster und erstmals empirische Erkenntnisse zu individuellen Faktoren der Erkennung politischen Bullshits in Deutschland. Politischer Bullshit erweist sich dabei sowohl als strategische Kommunikationsform als auch als rezeptionsseitige Herausforderung.

Literatur

Pennycook, G., Cheyne, J. A., Barr, N., Koehler, D. J., & Fugelsang, J. A. (2015). On the reception and detection of pseudo-profound bullshit. Judgment and Decision making, 10(6), 549-563.

Steckbrief

Titel (deutsch): Zählt der Inhalt oder genügt der Eindruck? Eine experimentelle Analyse über die Erkennung von politischem Bullshit
Titel (englisch): Does Substance Matter, or Is Impression Sufficient? An Experimental Analysis of the Detection of Political Bullshit
Erhebungszeitraum: 01/2026
Stichprobe (effektiv): 914
Stand der Informationen: 10.05.2026

Kontakt

Alisa Bächner,

baechnea99@zedat.fu-berlin.de

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