Studie zu hitzigen Online-Debatten
Die Studie findet im Kontext von Forschung in Online-Diskussionsforen und Verschwörungstheorien statt. Die dominante Annahme des Äußerungsverhaltens in Online-Diskussionsforen ist, dass Menschen eher ihre Meinung äußern, wenn sie die Mehrheitsposition vertreten. Erklärt wird diese Annahme durch eine (soziale) Isolationsfurcht. Das Äußern einer Minderheitsposition weckt die Angst, sozial ausgegrenzt zu werden (Schweigespirale; Noelle-Neumann, 1974). Wir gehen allerdings davon auf, dass nicht alle Menschen diese Isolationsfurcht haben. Dazu zählen wir z.B. Verschwörungstheoretiker. Verschwörungstheoretiker haben ein Bedürfnis nach Einzigartigkeit (Imhoff, 2020) - sie möchten sich von der Masse abgrenzen. Deswegen nehmen wir an, dass Verschwörungstheoretiker eher ihre Meinung äußern, wenn sie die Minderheitsposition vertreten.
Methode
Am Beginn klassifizieren wir die Teilnehmer als Verschwörungstheoretiker und Nicht-Verschwörungstheoretiker. Jeder Teilnehmer sieht ein Online-Diskussionsforum bestehend aus 12 Diskussionsbeiträgen. Es gibt zwei unterschiedliche Online-Diskussionsforen, denen die Teilnehmer zufällig zugeordnet werden. In einem Online-Diskussionsforum ist die verschwörungstheoretische Position dominant, im anderen Online-Diskussionsforum ist die nicht-verschwörungstheoretische Position dominant. Im Anschluss werden die Teilnehmer gefragt, inwiefern sie sich gerne an der Diskussion beteiligen möchten.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, konsistent mit unseren Vorhersagen, dass Verschwörungstheoretiker eher ihre Meinung in einem Online-Diskussionsforum äußern, wenn sie die Minderheitsposition vertreten, im Vergleich zur Mehrheitsposition. Das heißt, die intendierte Meinungsäußerung bei Verschwörungstheoretikern ist höher, wenn sie ein Online-Diskussionsforum sehen, in dem die nicht-verschwörungstheoretische Position dominant ist, im Vergleich zu einem Online-Diskussionsforum, in dem die verschwörungstheoretische Position dominant. Bei Nicht-Verschwörungstheoretikern zeigt sich, in Einklang mit unseren Vorhersagen, der gegenteilige Effekt. In Übereinstimmung mit den Vorhersagen aus der Theorie der Schweigespirale, möchten Nicht-Verschwörungstheoretiker eher ihre Meinung äußern, wenn sie die Mehrheitsposition (nicht-verschwörungstheoretisches Diskussionsklima) vertreten, im Vergleich zur Minderheitsposition (verschwörungstheoretisches Diskussionsklima).
Literatur
Imhoff, R. (2020). Psychologische Bedürfnisse hinter Verschwörungsglauben [Psychological needs behind conspiracy beliefs]. BPJMAKTUELL, 4, 9–14. https://www.bzkj.de/resource/blob/176306/59ccdd773256987429b55f83c0d4b2c1/20204-psychologische-beduerfnisse-hinter-verschwoerungsglauben-data.pdf
Noelle-Neumann, E. (1974). The spiral of silence a theory of public opinion. Journal of Communication, 24(2), 43–51. https://doi.org/10.1111/j.1460-2466.1974.tb00367.x
Steckbrief
| Titel (deutsch): | Studie zu hitzigen Online-Debatten |
| Titel (englisch): | Study on heated online debates |
| Erhebungszeitraum: | 11/2025–12/2025 |
| Stichprobe (effektiv): | 1.278 |
| Stand der Informationen: | 25.02.2026 |
Weitere Informationen
https://psy.rptu.de/aes/ikm/medienpsychologie/team/moritz-vogel-msc
Kontakt
Moritz Vogel, moritz.vogel@rptu.de