Stein, Uta

Der Einfluss von Satire- und Nachrichtensendungen auf den thematischen Wissensgewinn und die Einstellung

Eine konzeptuelle Replikationsstudie

Satiresendungen werden international immer populärer. In Deutschland verzeichnet die Satiresendung heute-show seit Jahren bessere Quoten als das heute-journal. Seit fast zwei Jahrzehnten sind die Effekte politischer Satiresendungen zentraler Forschungsgegenstand der Kommunikationswissenschaft. In einer Untersuchung von Becker & Bode (2018) wurden die Effekte der Satiresendung LWT mit John Oliver mit einem Nachrichtenclip der Sendung ABC News zur selben Thematik verglichen. Dabei wurden die Effekte zweier viertminütiger Clips auf das themenspezifische Wissen zum Thema Netzneutralität, die Bewertung der Wichtigkeit des Themas und die Bewertung der Lösbarkeit des Problems untersucht. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich eine konzeptionelle Replikationsstudie durchgeführt und damit Becker & Bodes Überlegungen und Ergebnisse im deutschsprachigen Raum untersucht.

Dabei wurde folgende übergeordnete Forschungsfrage untersucht:

Welchen Effekt hat das Ansehen von Satiresendungen – im Vergleich zu herkömmlichen Nachrichtensendungen – auf das themenspezifische Wissen, die Bewertung von dargestellten Politiker*innen sowie die Bewertung der Relevanz des Themas?

Dabei sollen drei verschiedene abhängige Variablen untersucht werden: Das themenspezifische Wissen, die Bewertung der Relevanz des Themas sowie (in Ergänzung zur Originalstudie) die Bewertung von im Clip dargestellten Politiker*innen.

Methode

Durch ein experimentelles Design wurden die Effekte eines Clips aus der heute-show mit einem Nachrichtenclip der Nachrichtensendung Der Tag(DW) zur selben Thematik verglichen. Thema beider Clips war der Anschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny und die daraus folgende Problematik für die Beziehungen zwischen Russland und der EU. Beide Clips sind gleich lang und enthalten sehr ähnliche Informationen. Einer Kontrollgruppe wurde ein gleichlanger Ausschnitt der Dokuserie Elefant, Tiger & Co. gezeigt. Danach wurden Wissensfragen sowie Fragen zur Einschätzung des behandelten Themas sowie vorkommender Akteure gestellt.

Durch Varianzanalysen wurde ermittelt, ob sich die drei Gruppen – Zuschauer*innen des Clips der heute show, Zuschauer*innen des Clips der Nachrichtensendung der Tag (DW) und Zuschauer*innen der Kontrollgruppe – in Bezug auf die abhängigen Variablen voneinander unterscheiden.

Konkret wurden die folgenden Forschungsfragen und Hypothesen untersucht:

H1: Bei Zuschauer*innen der heute-show ist das themenspezifische Wissen über den Anschlag auf Nawalny höher als bei der Kontrollgruppe.

FF1: Ist bei Zuschauer*innen der heute-show das themenspezifische Wissen über den Anschlag auf Alexej Nawalny höher als bei Zuschauer*innen der Nachrichtensendung?

H2: Die Bewertung der Kompetenz Angela Merkels ist bei Zuschauer*innen der heute-show negativer als bei der Kontrollgruppe.

H3: Zuschauer*innen der heute-show schätzen den Fall Nawalny als relevanter ein als Zuschauer*innen der Nachrichtensendung oder der Kontrollgruppe.

Ergebnisse

Die Rezeption von Satire- und Nachrichtensendungen hat einen signifikanten Effekt auf das thematische Wissen der Rezipient*innen.

Paarweise Vergleiche mit Games-Howell-Korrektur zeigen, dass das thematische Wissen bei Rezipient*innen der "heute-show" und "Der Tag" signifikant höher ausgeprägt ist als bei der Kontrollgruppe. Jedoch unterscheiden sich beide Gruppen nicht signifikant voneinander.

Ebenso zeigen sich signifikante Unterschiede in der Bewertung von dargestellten Politiker*innen. Nach paarweisen Vergleichen mit Bonferroni-Korrektur bewerten Zuschauer*innen der „heute-show“ die dargestellte Politikerin Angela Merkel signifikant schlechter als die Rezipient*innen der Nachrichtensendung.

Im Gegensatz zur Originalstudie wurden keine signifikanten Effekte von Satire-und Nachrichtensendungen auf die Bewertung der Relevanz des Themas festgestellt.

Gezeigt wurde, dass Satiresendungen sowohl Potenzial haben, das politische Wissen der Rezipient*innen zu erhöhen als auch negative Einstellung gegenüber Politiker*innen zu fördern.

Literatur

Becker, A. B., & Bode, L. (2018). Satire as a source for learning? The differential impact of news versus satire exposure on net neutrality knowledge gain. Information, Communication & Society, 21(4), 612–625. https://doi.org/10.1080/1369118X.2017.1301517

Goldthwaite Young, D. (2004). Late-Night Comedy in Election 2000: Its Influence on Candidate Trait Ratings and the Moderating Effects of Political Knowledge and Partisanship. Journal of Broadcasting & Electronic Media, 48(1), 1–22. https://doi.org/10.1207/s15506878jobem4801_1

Hardy, B. W., Gottfried, J. A., Winneg, K. M., & Jamieson, K. H. (2014). Stephen Colbert’s Civics Lesson: How Colbert Super PAC Taught Viewers About Campaign Finance. Mass Communication and Society, 17(3), 329–353. https://doi.org/10.1080/15205436.2014.891138

Hollander, B. A. (2005). Late-Night Learning: Do Entertainment Programs Increase Political Campaign Knowledge for Young Viewers? Journal of Broadcasting & Electronic Media, 49(4), 402–415. https://doi.org/10.1207/s15506878jobem4904_3

Lüber, K. (2016, September 29). „Satire und Journalismus können sich produktiv ergänzen“. Goethe Institut. https://www.goethe.de/de/kul/med/20801171.html

Steckbrief

Titel (deutsch): Der Einfluss von Satire- und Nachrichtensendungen auf den thematischen Wissensgewinn und die Einstellung – Eine konzeptuelle Replikationsstudie
Titel (englisch): The impact of satire and news on issue-specific knowledge and opinion
Erhebungszeitraum: 01/2021–02/2021
Stichprobe (effektiv): 541
Stand der Informationen: 14.04.2021

Kontakt

Uta Stein, uta.stein@tu-dresden.de

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