Gerdes, Ronja & Bauske, Emily

CO2-Preis-Akzeptanz und ihre Einflussfaktoren in Deutschland

Im Januar 2021 wurde in Deutschland ein CO2-Preis eingeführt (Bundesregierung, 2020), der zu einem entscheidenden Instrument der Klimapolitik werden könnte (Edenhofer et al., 2019). Damit diese umweltpolitisches Maßnahme jedoch einerseits politisch durchsetzbar ist (Gärling & Loukopoulos, 2007) und andererseits zu klimafreundlichem Verhalten führt (z.B. Jia et al., 2017), ist Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend.

Da die CO2-Bepreisung die Kosten von klimaschädlichem Verhalten (bspw. Autofahren) erhöht, handelt es sich vermutlich um eine vergleichsweise schwer zu akzeptierende Maßnahme (vgl. Steg et al., 2006): Um diese Maßnahme zu akzeptieren, muss eine Person den Umweltschutz für so wichtig erachten, dass sie auch bereit ist, erhöhte Kosten für den Umweltschutz in Form eines CO2-Preises zu bezahlen. Ob ein bestimmter CO2-Preis akzeptiert wird, hängt einerseits von der individuellen Belastung ab (insbesondere durch die Höhe des CO2-Preises und Rückverteilungen der Steuereinnahmen). Andererseits ist die Motivation, die Umwelt und das Klima zu schützen (die sog. Umwelteinstellung) entscheidend für ein Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz: Nur eine Person mit hoher Umwelteinstellung nimmt hohe Kosten in Kauf, um Umwelt und Klima zu schützen (Kaiser et al., 2010).

Deshalb haben wir ein psychologisches Messinstrument entwickelt, das mithilfe von unterschiedlichen CO2-Preis-Szenarien die CO2-Preis-Akzeptanz als Ausdruck dieser Umwelteinstellung misst. Gleichzeitig können wir so auch Stellschrauben zur Akzeptanzsteigerung (durch Anpassung der Höhe des CO2-Preises oder der Rückverteilung) identifizieren. Diese CO2-Preis-Szenarien wurden mit zwei weiteren neu entwickelten Messinstrumenten – 1) zum Wissen über CO2-Bepreisung und 2) Rebound-Neigung (die individuelle Neigung, zusätzliche finanzielle Einnahmen klimaschädlich auszugeben) – sowie einer etablierten Skala zur Umwelteinstellung (Kaiser, 1998; Kaiser & Wilson, 2004) im SoSci-Panel eingesetzt. Eine Überarbeitung der Skalen erfolgt auf Grundlage der Studienergebnisse, sodass die drei neuen Messinstrumente anschließend von Forschenden eingesetzt werden können, um Forschungsfragen zu CO2-Preis-Akzeptanz, CO2-Preis-Wissen und Rebound-Neigung zu bearbeiten.

Methode

In einer korrelativen Online-Befragung im SoSci-Panel wurden die neu entwickelten Messinstrumente zur CO2-Preis-Akzeptanz, Rebound-Neigung und zum CO2-Preis-Wissen erstmals eingesetzt. Außerdem bearbeiteten Versuchspersonen eine Skala zur Umwelteinstellung. Insgesamt konnten die Daten von N = 475 Personen ausgewertet werden.

Ergebnisse

Wie jedes andere Umweltschutzverhalten ist auch eine positive Meinungsäußerung zu CO2-Preisen Ausdruck einer zugrunde liegenden Umwelteinstellung. Dabei ist CO2-Bepreisung generell eine unpopuläre Klimaschutzmaßnahme. Nur 30 % der Personen mit einer Umwelteinstellung vergleichbar zur Allgemeinbevölkerung akzeptierten einen CO2-Preis. Die konkrete Höhe des Preises (25 €, 55 € oder 240 € pro Tonne) hatte keine Auswirkungen auf die Akzeptanz. Wenn die Einnahmen aus dem CO2-Preis in lokalen Klimaschutz investiert wurden, stieg die Akzeptanz auf 67 %. Die Einnahmen für zusätzliche sozialpolitische Maßnahmen (bspw. Steuermehreinnahmen nach Einkommen gestaffelt zurückzuzahlen) einzusetzen, senkte die Akzeptanz auf 16 %.

Die Umwelteinstellung hing signifikant mit dem Wissen über CO2-Bepreisung zusammen, d. h. je wichtiger einer Person der Umweltschutz ist, desto mehr weiß diese Person über CO2-Bepreisung. Das CO2-Preis-Wissen in der vorliegenden Stichprobe war (wie auch die Umwelteinstellung) sehr hoch. Vor dem weiteren Einsatz der Wissensskala muss sie vereinfacht werden, sodass sie auch in der Normalbevölkerung eingesetzt werden kann.

Die Rebound-Neigung in der Stichprobe war allerdings ebenfalls hoch: 82 % der Ausgaben, die Versuchspersonen in einem hypothetischen Szenario tätigten, waren klimaschädlich. Auch die Rebound-Neigung war Ausdruck der Umwelteinstellung.

Vor dem weiteren Einsatz der neu entwickelten Messinstrumente werden diese auf Basis der vorliegenden Studie angepasst.

Literatur

Bundesregierung. (2020). Grundlage für CO2-Preis steht. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/nationaler-emissionshandel-1684508

Edenhofer, O., Flachsland, C., Kalkuhl, M., Knopf, B., & Pahle, M. (2019). Optionen für eine CO2-Preisreform. MCC-PIK-Expertise für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. https://www.mcc-berlin.net/fileadmin/data/B2.3_Publications/Working Paper/2019_MCC_Optionen_für_eine_CO2-Preisreform_final.pdf

Gärling, T., & Loukopoulos, P. (2007). Effectiveness, public acceptance, and political feasibility of coercive measures for reducing car traffic. In T. Gärling & L. Steg (Eds.), Threats from car traffic to the quality of urban life: Problems, causes, and solutions (pp. 313–324). Elsevier.

Jia, N., Zhang, Y., He, Z., & Li, G. (2017). Commuters’ acceptance of and behavior reactions to license plate restriction policy: A case study of Tianjin, China. Transportation Research Part D: Transport and Environment, 52, 428–440. https://doi.org/10.1016/j.trd.2016.10.035

Kaiser, F. G. (1998). A general measure of ecological behavior. Journal of Applied Social Psychology, 28(5), 395–422. https://doi.org/10.1111/j.1559-1816.1998.tb01712.x

Kaiser, F. G., Byrka, K., & Hartig, T. (2010). Reviving Campbell’s paradigm for attitude research. Personality and Social Psychology Review, 14(4), 351–367. https://doi.org/10.1177/1088868310366452

Kaiser, F. G., & Wilson, M. (2004). Goal-directed conservation behavior: The specific composition of a general performance. Personality and Individual Differences, 36(7), 1531–1544. https://doi.org/10.1016/j.paid.2003.06.003

Steg, L., Dreijerink, L., & Abrahamse, W. (2006). Why are energy policies acceptable and effective? Environment and Behavior, 38(1), 92–111. https://doi.org/10.1177/0013916505278519

Steckbrief

Titel (deutsch): CO2-Preis-Akzeptanz und ihre Einflussfaktoren in Deutschland
Titel (englisch): Carbon price acceptance and its determinants in Germany
Erhebungszeitraum: 01/2021–02/2021
Stichprobe (effektiv): 475
Stand der Informationen: 09.04.2021

Weitere Informationen

Informationen zum Projektfortschritt und den Skalen finden sich hier: https://www.co2-preis.info/projekt.html

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Ronja Gerdes

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