Larissa Burk

Akzeptanz von Inzivilität

In den letzten Jahren hat sich Inzivilität im politischen Diskurs zu einem zentralen Forschungsfeld entwickelt. Mittlerweile beinhaltet ein erheblicher Teil von Online-Kommentaren Anzeichen von Inzivilität (Coe et al., 2014, S.668), sodass bereits von einem Krisenniveau im Hinblick auf Inzivilität die Rede ist (Weber Shandwick, 2013). Die vorliegende Studie trägt zu diesem wachsenden Forschungsgebiet bei, indem sie einen bislang weniger untersuchten Aspekt der Inzivilität berücksichtigt: die Akzeptanz von inzivilen Kommentaren in Abhängigkeit von der Einstellungskonsistenz der Inhalte sowie möglicher Einflussfaktoren, die diesen Zusammenhang determinieren.

Methode

Anhand eines 2x2 faktoriellen between-subjects Designs soll daher in der vorliegenden Studie untersucht werden, inwiefern die Akzeptanz von Inzivilität von der Konsistenz der vermittelten Inhalte abhängig ist, und inwiefern dieser Zusammenhang durch Persönlichkeits- und Sozialisationsfaktoren (Persönlichkeitsmerkmale, soziales Umfeld, Medienkompetenz, Soziodemographie) moderiert wird. Zusätzlich sollen das habitualisierte Online-Verhalten und das Trait-Aggressionsniveau der Teilnehmer*innen als Kontrollvariablen in die Analysen eingehen.

Als Thema zur Prüfung der Zusammenhänge wurde die "Einkommensprüfung bei der Grundrente" gewählt. Für dieses Thema wurden, basierend auf realen Kommentaren zum Thema, vier Nutzer-Diskussionen entwickelt und gepretestet (N = 15), die sich eindeutig entweder pro oder contra Einkommensprüfung positionieren und entweder auf zivilen oder inzivilen Kommentaren beruhen.

Ergebnisse

Im Rahmen dieser Arbeit wurde sich auf die Zusammenhänge zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen, der Sozialisation, Soziodemografie und des habitualisierten Online-Verhaltens auf die Akzeptanz von Inzivilität konzentriert. Im Rahmen einer gesonderten Publikation werden die Moderationseffekte genauer betrachtet.

Bei der vorliegenden Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich das Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit signifikant darauf auswirkt, wie sehr die Inzivilität akzeptiert wird. Je verträglicher eine Person war, desto geringer war die Akzeptanz von Inzivilität. Ebenso konnte ein direkter Effekt des Geschlechts, der Offenheit für Erfahrungen und der verbalen Aggression der Freunde auf die Akzeptanz von Inzivilität festgestellt werden. Teilnehmer*innen, welche offener waren, akzeptierten die Inzivilität weniger. Dahingegen steigt die Akzeptanz der Inzivilität an, je aggressiver die Freunde der befragten Person waren. Außerdem konnte bestätigt werden, dass Männer die Inzivilität eher akzeptieren als Frauen. Des Weiteren wurden noch indirekte Effekte des Geschlechts und der Offenheit für Erfahrungen auf die Akzeptanz von Inzivilität über das habitualisierte Online-Verhalten gefunden. So sind Menschen, welche eine höhere Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals Offenheit für Erfahrungen aufweisen, häufiger online und partizipieren öfters. Durch dieses erhöhte Online-Verhalten kommt es zu einer größeren Akzeptanz der Inzivilität. Es wurde festgestellt, dass Männer häufiger online partizipieren und dadurch die Inzivilität eher akzeptieren als Frauen. Ebenso konnte noch ein indirekter Effekt der verbalen Aggression der Freunde auf die Akzeptanz von Inzivilität durch die verbale Aggression der Teilnehmer*innen festgestellt werden. Je größer die verbale Aggression der Freunde war, desto größer war auch die verbale Aggression der Teilnehmer*innen. Je stärker ausgeprägt die verbale Aggression der Teilnehmer*innen war, desto größer war die Akzeptanz von Inzivilität.

Steckbrief

Titel (deutsch): Akzeptanz von Inzivilität
Titel (englisch):
Erhebungszeitraum: 03/2020–04/2020
Stichprobe (effektiv): 0
Stand der Informationen: 12.06.2020
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