Grütz, Henrik

Der Einfluss der politischen Elite und sozialer Normen auf kosmopolitische Einstellungen

Eine Vielzahl von Befunden zeigt, dass Bürger/-innen generell die Tendenz haben, der eigenen Partei- oder Parteiführung zu folgen, wenn sie nach ihrer Einstellung zu politischen Themen befragt werden. In der Gesellschaft formieren sich jedoch Protestbewegungen gegen die deutsche Regierung. Forscherinnen und Forscher beschäftigen sich zunehmend mit den Gründen für den Protest gegen die politische Elite und den Konsequenzen auf die öffentliche Meinung. Eine vorangehende Studie zeigte, dass politische Eliten kosmopolitischere Einstellungen haben als die Allgemeinbevölkerung. Kosmopolitismus bedeutet, dass Menschen die Welt als Ganzes begreifen, eine universelle Ethik annehmen und offen gegenüber Menschen aus anderen Orten und Kulturen sind. Gerade kosmopolitische Aussagen und Entscheidungen der politischen Führung wurden in den letzten Jahren von Protestbewegungen, wie der AFD und der identitären Bewegung, massiv kritisiert.

Das Ziel meiner Studie ist zu untersuchen, ob die politische Elite ihre Überzeugungskraft verliert, wenn sie kosmopolitische Aussagen tätigt.

In der Studie werden wahlberechtigte Personen nach ihrer Meinung zu kosmopolitischen Aussagen, sowie anderen politischen Themenbereichen befragt. Um den Einfluss von Parteizugehörigkeit und der hierarchischen Position der Quelle auf die Meinung der Bürger/innen zu ermitteln, wird die Herkunft der Aussagen per Zufall folgenden Quellen zugewiesen:

Bedingung 1: Die Mehrheit der Bevölkerung stimmte den Aussagen zu

Bedingung 2: Die Mehrheit der SPD-Wählerschaft stimmte den Aussagen zu

Bedingung 3: Die Mehrheit der CDU/CSU-Wählerschaft stimmte den Aussagen zu

Bedingung 4: Aussagen stammen von bekannten Politiker/innen

Bedingung 5: Aussagen stammen von bekannten Politiker/innen der

SPD

Bedingung 6: Aussagen stammen von bekannten Politiker/innen der CDU/CSU

Ergebnisse

Es fanden sich, verglichen mit der Unterstützung der Aussagen durch Mehrheitsmeinungen,

keine Hinweise darauf, dass die Einrahmung der Aussagen mit Politiker/innen zu einer

generellen Ablehnung in der Bevölkerung führte. Parteianhänger der CDU/CSU erhöhten ihre

Zustimmung zu kosmopolitischen Aussagen, wenn diese von Politiker/innen der bevorzugten

Partei eingerahmt waren. Hiervon ausgenommen sind Aussagen, welche internationale

Zusammenarbeit befürworten. SPD-Anhänger hingegen erhöhten ihre Zustimmung nicht, wenn

diese mit der Unterstützung durch SPD Politiker/innen eingerahmt wurde. Eine Limitation ist die

generell hohe Zustimmung der SPD-Anhänger zu kosmopolitischen Aussagen, welche den

Spielraum für eine Erhöhung der Zustimmung einschränkt.

Entgegen der Kampagnen von PEGIDA und der AfD trafen kosmopolitische Aussagen bei den

Befragten tendenziell auf Zustimmung. Die politische Orientierung (von links nach rechts)

erwies sich hierbei als bester Vorhersagewert für die kosmopolitische Einstellung von

Befragten. Die Aussagen wurden von AfD-Anhängern tendenziell abgelehnt. Diese lehnten

insbesondere Aussagen ab, welche die Bereicherung durch Einwanderung betonen. Limitiert ist

diese Studie durch die befragte Stichprobe, welche eingeschränkt repräsentativ für die deutsche

Bevölkerung ist. Verglichen mit einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe von 2016 waren

die Befragten jünger, politisch interessierter, überdurchschnittlich gebildet und tendenziell links

orientiert.

Steckbrief

Titel (deutsch): Der Einfluss der politischen Elite und sozialer Normen auf kosmopolitische Einstellungen
Titel (englisch): The Influence of the Political Elite and Social Norms on Cosmopolitan Attitudes
Erhebungszeitraum: 06/2018–07/2018
Stichprobe (effektiv): 1.153
Stand der Informationen: 20.03.2019

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Henrik Grütz

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