Onlinebefragung

Moderne Technologien und ständige Erreichba...

Schlachter, Svenja; Inceoglu, Ilke; McDowall, Almuth & Cropley, Mark

Moderne Technologien und ständige Erreichbarkeit

Erfahrungen von Arbeitnehmern (Querschnitts-Befragung)

Mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (z. B. Computer, Smartphones und Tablets) ist unsere Arbeit heutzutage nahezu immer und von überall zugänglich und viele Arbeitnehmer nutzen Technologien während ihrer Freizeit, um zu arbeiten (hier kurz „Technologienutzung“). Diese Technologienutzung kann allerdings negative Auswirkungen auf die Erholung von der Arbeit, die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer haben (Schlachter et al., 2017). Um das Warum hinter dieser Art der Technologienutzung genauer zu erforschen, wurde in dieser Online-Befragung untersucht, welche Faktoren darauf Einfluss haben, ob und in welchem Maß Arbeitnehmer dieses Verhalten zeigen. Hierfür wurden Angestellte in Deutschland, die überwiegend im Büro bei Ihrem Arbeitgeber arbeiten, zu ihrer Technologienutzung, sozialen Faktoren am Arbeitsplatz und individuellen Faktoren befragt.

Die sozialen Faktoren am Arbeitsplatz beinhalteten: Erreichbarkeitserwartungen (1) der direkten Führungskraft und (2) der Teamkollegen, arbeitsrelevante Technologienutzung in der Freizeit (3) der direkten Führungskraft und (4) der Teamkollegen, und (5) wahrgenommene Norm am Arbeitsplatz, dass Privat- und Berufsleben getrennt gehalten werden dürfen. Die individuellen Faktoren waren: (1) Präferenz, Privat- und Berufsleben getrennt zu halten, (2) Selbstwirksamkeit, die gewünschten Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben aufrechtzuerhalten, und (3) mentales Abschalten von der Arbeit in der Freizeit. Außerdem wurde für die wahrgenommene Arbeitsbelastung kontrolliert.

Ergebnisse

In Bezug auf die Technologienutzung unter der Arbeitswoche wurde gefunden, dass die Präferenz, Privat- und Berufsleben getrennt zu halten, der ausschlaggebende Einflussfaktor war, dieses Verhalten weniger häufig zu zeigen: Studienteilnehmer, die Berufliches lieber aus ihrem Privatleben heraushalten, nutzten Technologien weniger häufig in ihrer Freizeit. Ein weiterer relevanter Einflussfaktor war die Arbeitsbelastung: Studienteilnehmer mit einer höheren Arbeitsbelastung berichteten häufigere Technologienutzung. In Bezug auf die Technologienutzung am Wochenende wurde Ähnliches gefunden: Studienteilnehmer, die Trennung bevorzugen, berichteten weniger häufige Technologienutzung am Wochenende. Weniger einflussreich, aber bedeutsam war außerdem die Technologienutzung von Teamkollegen: Studienteilnehmer gaben an, Technologien am Wochenende häufiger zu nutzen, wenn Teamkollegen sich ähnlich verhalten.

Zusammenfassend kann aus der Studie geschlossen werden, dass die Präferenz von Arbeitnehmern, Berufliches aus dem Privatleben herauszuhalten, einen wichtigen Einfluss darauf hat, wie oft Technologien außerhalb der Arbeitszeit genutzt werden, um arbeitsrelevante Aufgaben zu erledigen. Es wird empfohlen, dass Arbeitnehmer, die Berufs- und Privatleben gerne integrieren, darauf hingewiesen werden, dass andere diese Präferenz nicht unbedingt teilen und sich dementsprechend durch arbeitsbezogene Anrufe oder E-Mails in der Freizeit gestört fühlen könnten, sich aber möglicherweise verpflichtet fühlen, auf diese Kommunikationen zu antworten. Es sollte also auf Kollegen und deren Präferenzen Rücksicht genommen werden.

Literatur

Schlachter, S., McDowall, A., Cropley, M., & Inceoglu, I. (2017). Voluntary work-related technology use during non-work time: A narrative synthesis of empirical research and research agenda. International Journal of Management Reviews. Advance online publication. doi:10.1111/ijmr.12165

Steckbrief

Titel (deutsch): Moderne Technologien und ständige Erreichbarkeit – Erfahrungen von Arbeitnehmern (Querschnitts-Befragung)
Titel (englisch): Modern technologies and constant availability – Experiences of employees (Cross-sectional survey)
Erhebungszeitraum: 11/2016–12/2016
Stichprobe (effektiv): 336
Stand der Informationen: 16.02.2018

Kontakt

Svenja Schlachter

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