Onlinebefragung

Die Realität der Medien und des Publikums

Peiser, Wolfram; Frey, Felix; Krämer, Benjamin; Difonzo, Marina; Gengnagel, Ludwig; Gurinchuk, Evgenia; Knieper, Tobias; Lachmann, Deborah; Perzy, Nadja; Pflügler, Sebastian; Pratschke, Marlene; Seitz, Ricarda & Trinkl, Laura

Die Realität der Medien und des Publikums

Seit einiger Zeit werden in der Öffentlichkeit Stimmen lauter, die etwa unter dem Schlagwort der „Lügenpresse“ insbesondere journalistischen Medien vorwerfen, die Realität verzerrt oder unvollständig darzustellen. Dieses Projekt widmet sich dem Verhältnis von Mediendarstellungen und Wirklichkeit aus Publikumssicht. Es fragt danach, als wie wirklichkeitsnah das Publikum verschiedene Medien und Mediengenres wahrnimmt, welche Darstellungsmittel die Wirklichkeitsnähe von Medienbeiträgen aus Sicht des Publikums steigern und wie diese Wahrnehmungen mit Persönlichkeitsmerkmalen der Nutzer, ihrem Mediennutzungsverhalten, ihrem Medienwissen und allgemeinen Einstellungen gegenüber den Medien zusammenhängen.

Im Vergleich verschiedener Medien und Mediengenres untereinander wird Informationsangeboten öffentlich-rechtlicher Fernsehsender die höchste Wirklichkeitsnähe zugesprochen, gefolgt von Fernsehdokumentationen und -reportagen, politischen TV-Magazinen, gedruckten (Abonnements-)Tageszeitungen und ihren Onlineangeboten. Selbst diese Qualitätsmedien erreichen allerdings durchschnittlich nur Bewertungen zwischen „halbwegs“ und „ziemlich“ wirklichkeitsnah. Als weniger wirklichkeitsnah werden von den Befragten Nachrichtensendungen privater Fernsehsender, TV-Nachrichtensatire und politische Comedy-Formate, Blogs, Inhalte in sozialen Netzwerken, Onlineangebote von Boulevardzeitungen und Fernsehkrimis wahrgenommen. Die geringste Wirklichkeitsnähe wird Daily Soaps, Casting-Shows und Reality-TV-Sendungen im Fernsehen zugeschrieben.

Dabei bewerten die Befragten die Wirklichkeitsnähe von Medien und Mediengenres umso höher, je stärker sie diese selbst nutzen. Umgekehrt scheinen sich die Beschäftigung mit Medien in Studium und Forschung oder in Positionen in Medienmanagement, Medientechnik und der inhaltlichen Gestaltung von Medien negativ auf die wahrgenommene Wirklichkeitsnähe insbesondere von Qualitätsmedien auszuwirken. Genauso wurden Informationsangebote als umso weniger wirklichkeitsnah bewertet, je besser die Befragten ihrer eigenen Einschätzung nach über die Arbeitsweise von Medien informiert waren.

Unter verschiedenen medialen Darstellungsmitteln steigern nach Einschätzung der Befragten vor allem die Angabe von Quellen und Recherchewegen, Berichterstattung vom Ort des Geschehens, sowie Äußerungen von Betroffenen oder normalen Bürgern die wahrgenommene Wirklichkeitsnähe der Berichte. Zahlen und Statistiken, Experten, Zitate, Undercover-Recherche und Bild- oder Videomaterial von Bürgern tragen ebenfalls zum Eindruck der Wirklichkeitsnähe bei, während erkennbare Bearbeitung ihn schwächt. Für medienkritisch eingestellte Personen steigern dabei insbesondere Interviews mit Betroffenen und Bürgern sowie die Verwendung entsprechenden Video- oder Bildmaterials die Wirklichkeitsnähe, während Mitteln des klassischen Informationsjournalismus diese Wirkung abgesprochen wird. Außerdem unterscheiden sich die Einschätzungen der Darstellungsmittel nach Geschlecht, Bildung, Alter und Ausprägung der Empathiefähigkeit und Gewissenhaftigkeit.

Steckbrief

Titel (deutsch): Die Realität der Medien und des Publikums
Titel (englisch): Media, reality and the audience
Erhebungszeitraum: 12/2015
Stichprobe (effektiv): 834
Stand der Informationen: 13.10.2016

Weitere Informationen

Lehrbereich Peiser (IfKW, LMU München)

Kontakt

Felix Frey

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