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Regulierung von Trittbrettfahren in Wissens...

Wiemann, Meike

Regulierung von Trittbrettfahren in Wissensteams durch informelle Kontrolle anderer Teammitglieder

Organisationen setzen zunehmend auf wissensintensive Teamarbeit. Bei dieser Form der Arbeitsorganisation sind Arbeitsergebnisse das Produkt gemeinsamer Generierung, Teilung und Weiterverarbeitung von Wissen. Dies bringt mit sich, dass Einzelleistungen von Teammitgliedern für Führungskräfte außerhalb des Teams kaum zu beurteilen sind. So kann Fehlverhalten in Form von Minderleistung in Wissensteams nur schwer durch externe Teamleitende identifiziert und sanktioniert werden. Damit dennoch Kontrolle stattfindet, muss diese auf der Ebene des Teams ausgeübt werden. Nur so kann Trittbrettfahren bestmöglich unterbunden und damit die Motivation und die Leistung im Team aufrechterhalten werden.

Die mit Hilfe des SoSci Survey durchgeführte quantitative Feldstudie ist Teil einer Dissertation, die erstmals untersucht, wie Teammitglieder auf gruppeninternes Trittbrettfahren in der Praxis reagieren, um dieses zu regulieren. In einer vorausgehenden ersten explorativen Studie konnte die Dissertation zeigen, dass sich Regulierungsverhaltensweisen von Teammitgliedern in Reaktion auf das Trittbrettfahren anderer, d.h. sog. „informelle teambasierte Kontrollverhaltensweisen“ anhand von zwei Dimensionen unterscheiden lassen: (1) Starke Ausübung von Druck – Keine Ausübung von Druck; (2) Teamorientierung – Selbstorientierung. Basierend auf diesen beiden Dimensionen ergeben sich vier differenzierbare Kontrollstrategien: „offen anprangern“, „am Tisch besprechen“, „hintenherum bekämpfen“ und „für sich selbst lösen“. So versuchen Teammitglieder, die eine teamorientierte Lösung anstreben und die Trittbrett fahrende Person nicht zu sehr unter Druck setzen möchten, die Problematik „am Tisch zu besprechen“, d.h. im Diskurs Verhaltensnormen zu etablieren. Ebenfalls teamorientiert jedoch rigoroser ist die Strategie, Fehlverhalten „offen anzuprangern“, um über Gruppendruck eine Verhaltenskorrektur herbeizuführen. Selbstorientierte Strategien zielen entweder darauf ab, die Problematik mittels indirekten Drucks, d.h. sozialer Ausgrenzung, „hintenherum zu bekämpfen“ und dadurch persönlich Vergeltung zu üben, oder diese durch Eigenkontrolle, d.h. persönliche Minder- oder Mehrleistung „für sich selbst zu lösen“.

Studie zwei untersucht daraufhin, unter welchen Bedingungen Teammitglieder dazu bereit sind, Kontrollformen anwenden, die für sie selbst Mehraufwand erfordern und dadurch dem Team sowie dem Unternehmen zugutekommen, und wann sie sich destruktiven, nur für sich selbst vorteilhaften Kontrollhandlungen zuwenden. Die Analyse von Interviewdaten ergibt, dass sich Teammitglieder mit persönlichkeitsbedingten, situationsbedingten sowie normenbedingten Faktoren auseinandersetzen und diese gegeneinander abwägen. Bevor sie eine Kontrollentscheidung treffen, wird zudem evaluiert, wie erfolgsversprechend verschiedene Kontrollmöglichkeiten sind. Dem gesamten Modell liegen Lernprozesse zugrunde. Die finale quantitative Erhebung bestätigt, dass sechs Faktoren die Wahl der Kontrollentscheidung bestimmen: Teammitglieder sind bereit, Kontrollkosten zu tragen (d.h. persönliche Ressourcen für die Regulierung aufzuwenden), wenn (1) sie selbst negativ durch das Trittbrettfahren betroffen sind, (2) die gesamte Teamleistung durch das Trittbrettfahren gefährdet ist, (3) keine alternative Lösung des Problems absehbar ist, (4) der Trittbrettfahrer zusätzlich zum Trittbrettfahren zentrale Teamnormen verletzt und (5) sie persönlich eine starke Leistungsmotivation haben. Zudem erweist sich, (6) dass sich die persönlichkeitsbedingte Tendenz, Konflikten aus dem Weg zu gehen, negativ auf die Übernahme der Kontrollverantwortung auswirkt. Für die Praxis ergibt sich daraus u.a. die Empfehlung, im Rahmen der Arbeitsorganisation möglichst viele Interdependenzen zwischen Teammitgliedern zu schaffen, sodass Minderleistungen unmittelbar spürbar werden, Teamzusammensetzungen möglichst langfristig zu fixieren, um die Dauer der Zusammenarbeit nicht absehbar zu machen (und dadurch eine alternative Lösung des Problems a priori zu bieten), Teamnormen zu stärken, um Kontrollhandlungen zu legitimieren und dadurch zu erleichtern, sowie bei der Teamzusammensetzung speziell auf die Persönlichkeitseigenschaften „Leistungsmotivation“ und „Konfliktscheue“ zu achten, um so das generelle Kontrollpotential von Teams zu erhören.

Steckbrief

Titel (deutsch): Regulierung von Trittbrettfahren in Wissensteams durch informelle Kontrolle anderer Teammitglieder
Titel (englisch): Managing Free Riding in Knowledge-Intensive Teamwork through Peers’ Informal Team-Based Control
Erhebungszeitraum: 11/2015–12/2015
Stichprobe (effektiv): 474
Stand der Informationen: 08.08.2016

Publikationen

Wiemann, M. (2016). Managing Free Riding in Knowledge-Intensive Teamwork through Peers’ Informal Team-Based Control (Doctoral dissertation). University of Konstanz, Konstanz, Germany.

Kontakt

Dr. Meike Wiemann

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