Onlinebefragung

Zusammenhang zwischen Internetspielabhängig...

Bouna-Pyrrou, Polyxeni; Mühle, Christiane; Kornhuber, J. & Lenz, Bernd

Zusammenhang zwischen Internetspielabhängigkeit, Sucht nach sozialen Netzwerken und Seitenpräfarenz

Das Internetzeitalter birgt Gesundheitsrisiken und stellt uns vor neue Herausforderungen. Exzessiver Internetkonsum kann ein krankhaftes Ausmaß erreichen und zu zahlreichen psychischen und körperlichen Folgeerkrankungen führen. Es gibt noch keine abschließende Einigung dazu, welche Kriterien für die Diagnose Internetabhängigkeit anzuwenden sind. In der im Mai 2013 von der Amerikanischen Psychiatrischen Fachgesellschaft veröffentlichten fünften Auflage des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs Psychischer Störungen (American Psychiatric Association, 2013) wurde die Internetspielerkrankung als Forschungsdiagnose in den Anhang aufgenommen. Andere Internetaktivitäten, die auch zu einem süchtigen Gebrauch führen können, wie etwa die Nutzung sozialer Netzwerke, wurden bis dato wenig untersucht.

Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Linkshänder häufiger legale und illegale Drogen konsumieren (Denny, 2011; Preti et al., 2012) und ein höheres Risiko für Abhängigkeitserkrankungen (McNamara, Blum, O'Quin, & Schachter, 1994; Sperling et al., 2010; Sperling et al., 2000) als Rechtshänder haben. Basierend auf diesem Zusammenhang zwischen Suchterkrankungen und Linkshändigkeit, untersuchten wir in dieser Studie, ob die Präferenz für eine Körperseite mit der Internetspielerkrankung und der krankhaften Nutzung sozialer Netzwerke zusammenhängt. Gleichzeitig überprüften wir die Anwendbarkeit der von der Amerikanischen Fachgesellschaft vorgeschlagenen Kriterien zur Internetspielerkrankung und der von uns angepassten Kriterien zum krankhaften Gebrauch sozialer Netzwerke.

Von 8100 über das SoSci-Panel eingeladenen Mitgliedern begannen 1441 Teilnehmer den anonymen ca. 15 minütigen Online-Fragebogen, der Fragen zum individuellen Internetnutzungsverhalten insbesondere zum Gebrauch von Internetspielen und sozialen Netzwerken sowie Seitenpräferenz und Gesundheitszustand umfasste. Weitere 1846 Teilnehmer wurden außerhalb des Panels angeworben. Neben der Händigkeit wurde von den Teilnehmern erfragt, welcher Fuß, welches Auge und welches Ohr bevorzugt eingesetzt werden. Außerdem wurde die präferierte Kussseite erfasst.

1,1% der Teilnehmer (1,8% Männer, 0,7% Frauen) erfüllten die Kriterien für eine Internetspielerkrankung, während 1,8% der Befragten (1,1% Männer, 2,3% Frauen) die Kriterien für süchtigen Gebrauch von sozialen Netzwerken erfüllten. Je mehr Kriterien von den Befragten bejaht wurden, desto länger waren die Zeiten, die die Teilnehmer mit Internetspielen und sozialen Netzwerken verbrachten. Personen, die abhängigen oder problematischen Gebrauch angaben, hatten ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen und Essstörungen. Außerdem berichteten diese Personen weniger wöchentliche Arbeitsstunden und weniger Beschäftigungsmonate im Vorjahr. Übereinstimmend mit anderen Abhängigkeitserkrankungen fanden wir zudem, dass exzessiver und süchtiger Gebrauch von sozialen Netzwerken mit Linkshändigkeit in Verbindung steht. Mit den anderen Markern für eine Seitenbevorzugung bestand kein deutlicher Zusammenhang.

Zusammengefasst waren die untersuchten Kriterien für die Internetspielerkrankung und die von uns adaptierten Kriterien für den süchtigen Gebrauch von sozialen Netzwerken gut anwendbar. Sie eigneten sich dazu, Personen zu identifizieren, die lange Nutzungsdauern, psychiatrische Begleiterkrankungen und reduzierte Arbeitsstunden angaben. Diese Ergebnisse belegen den Nutzen dieser neuen Kriterien und bilden die Basis für zukünftige präventive und therapeutische Studien.

Literatur

American Psychiatric Association, A. P. (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders (5th ed.). Washington.

Denny, K. (2011). Handedness and drinking behaviour. [Research Support, N.I.H., Extramural Research Support, Non-U.S. Gov't]. Br J Health Psychol, 16(Pt 2), 386-395. doi: 10.1348/135910710X515705

McNamara, P., Blum, D., O'Quin, K., & Schachter, S. (1994). Markers of cerebral lateralization and alcoholism. Percept Mot Skills, 79(3 Pt 2), 1435-1440.

Preti, A., Usai, I., Pintus, E., Sardu, C., Petretto, D. R., & Masala, C. (2012). Left-handedness is statistically linked to lifetime experimentation with illicit drugs. Laterality, 17(3), 318-339. doi: 10.1080/1357650X.2011.575786

Sperling, W., Biermann, T., Bleich, S., Galvin, R., Maihöfner, C., Kornhuber, J., & Reulbach, U. (2010). Non-right-handedness and free serum testosterone levels in detoxified patients with alcohol dependence. Alcohol Alcohol, 45(3), 237-240. doi: 10.1093/alcalc/agq014

Sperling, W., Frank, H., Martus, P., Mader, R., Barocka, A., Walter, H., & Lesch, M. (2000). The concept of abnormal hemispheric organization in addiction research. Alcohol Alcohol, 35(4), 394-399.

Steckbrief

Titel (deutsch): Zusammenhang zwischen Internetspielabhängigkeit, Sucht nach sozialen Netzwerken und Seitenpräfarenz
Titel (englisch): Association between internet gaming disorder, social network disorder and laterality
Erhebungszeitraum: 10/2013–03/2014
Stichprobe (effektiv): 1.441
Stand der Informationen: 07.01.2015

Publikationen

Die neuen DSM-5-Kriterien der Internetspielerkrankung und adaptierte Kriterien für pathologischen Gebrauch sozialer Netzwerke: eine Online-Studie. Poster bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2014. Online verfügbar

Händigkeit korreliert mit exzessiver und süchtiger Nutzung von sozialen Netzwerken. Poster bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2014. Online verfügbar

Bouna-Pyrrou, P.; Mühle, C.; Kornhuber, J. & Lenz, B. (2015). Internet gaming disorder, social network disorder and laterality: handedness relates to pathological use of social networks. Journal of Neural Transmission. doi: href="http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00702-014-1361-5">10.1007/s00702-014-1361-5 (Open Access)

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