Onlinebefragung

Werden Botschaften eher geglaubt, wenn sie ...

Konz, Carola

Werden Botschaften eher geglaubt, wenn sie von unterschiedlichen Quellen stammen?

Der Einfluss der Quellenvielfalt auf den Truth-Effekt.

Der Truth-Effekt besagt, dass Personen die Glaubwürdigkeit von Aussagen höher einschätzen, wenn sie wiederholt damit konfrontiert werden (Hasher, Goldstein, & Toppino, 1977). Dem Effekt kommt besondere gesellschaftliche Relevanz zu, da die als glaubwürdig eingeschätzten Aussagen einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der Rezipienten ausüben (Koch & Zerback, 2011, S. 487). Trotz seiner weitreichenden Bedeutung und der empirischen Robustheit ist der Effekt fast ausschließlich in psychologischen Studien überprüft (Zerback, 2013, S. 57) und mit Ausnahme einiger weniger Forschungsarbeiten bisher weitestgehend aus der Kommunikationswissenschaft ausgeklammert worden (Koch & Zerback, 2011, S. 487). Er wurde in bisherigen Studien fast ausschließlich mit Aussagen geprüft, die wiederholt aus der gleichen Quelle stammten oder die Quellenanzahl und -art wurde gar nicht variiert.

Da die Rezipienten besonders in der heutigen Medienlandschaft mit einer Vielzahl von Informationsquellen konfrontiert werden (Pavlik, 2008, S. 79), ergibt sich die Notwendigkeit den Einfluss der Quellenvielfalt auf den Truth-Effekt zu prüfen. Wird eine Aussage wiederholt von verschiedenen Quellen geäußert, stellt sich die Frage, ob sich der Effekt dadurch verstärkt. Um dies zu überprüfen, wurde eine experimentelle Online-Befragung durchgeführt. Variiert wurden je nach Versuchsgruppe die Anzahl der Präsentationshäufigkeit einer Aussage (keine Aussage, Aussage einmal oder Aussage zweimal) und die Anzahl der Quellen (eine oder zwei Quellen), die die Aussage treffen. Daraus ergeben sich die folgenden vier Experimental- und die zwei Kontrollgruppen:

  • Kontrollgruppe 1: eine Quelle/keine Aussage
  • Experimentalgruppe 1: eine Quelle/Aussage einmal
  • Experimentalgruppe 2: eine Quelle/Aussage zweimal
  • Kontrollgruppe 2: zwei Quellen/keine Aussage
  • Experimentalgruppe 3: zwei Quellen/Aussage einmal
  • Experimentalgruppe 4: zwei Quellen/Aussage zweimal

Der Truth-Effekt wurde mithilfe zweier kurzer Zeitungsartikel zum Thema Mikrokredite in Entwicklungs- und Schwellenländern überprüft. Entgegen der Annahme des Effekts wurde die Glaubwürdigkeit einer Aussage in dieser Studie von den Versuchsteilnehmern nicht höher bewertet, wenn sie die Aussage wiederholt sahen. Es zeigte sich sogar, dass sie die Aussage nach zweimaliger Präsentation unglaubwürdiger einstufen. Die Zunahme der Quellenanzahl führte nicht zur Verstärkung des Truth-Effekts, weshalb es in dieser Untersuchung somit keinen Unterschied machte, ob die Aussage wiederholt aus einer oder aus zwei unterschiedlichen Quellen stammte. Es ergab sich ebenfalls die Tendenz, dass die Glaubwürdigkeit der Aussage bei wiederholter Präsentation mit zunehmender Quellenanzahl sank. Neben dem Truth-Effekt wurden fünf weitere Annahmen überprüft, die das thematische Vorwissen, die Aufmerksamkeit während der Rezeption, das subjektive Gefühl der Informiertheit und die Glaubwürdigkeit des Kommunikators als Faktoren berücksichtigten.

Literatur

Hasher, L., Goldstein, D. & Toppino, T. (1977). Frequency and the Conference of Referential Validity. Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior, 16, 107-112.

Koch, T. & Zerback, T. (2011). Wiederholung und Wahrheit. Wie die mehrmalige Präsentation politischer Slogans die Einschätzung ihrer Glaubwürdigkeit beeinflusst. Medien & Kommunikationswissenschaft, 59, 487-504.

Pavlik, J. V. (2008). Media in the digital age. New York: Columbia University Press.

Zerback, T. (2013). Publizistische Vielfalt. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Steckbrief

Titel (deutsch): Werden Botschaften eher geglaubt, wenn sie von unterschiedlichen Quellen stammen? Der Einfluss der Quellenvielfalt auf den Truth-Effekt.
Titel (englisch): Are messages more believed if they derive from different sources? The source diversity’s influence on the truth effect.
Erhebungszeitraum: 07/2017–08/2017
Stichprobe (effektiv): 621
Stand der Informationen: 26.10.2017

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Carola Konz

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