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Der Einfluss von Evidenzen auf das Erleben ...

Henke, Jakob; Leißner, Laura & Möhring, Wiebke

Der Einfluss von Evidenzen auf das Erleben und die Bewertung von gesundheitsjournalistischen Beiträgen aus Rezipientenperspektive

Evidenzbasierung gilt als zentrale Qualitätsnorm im Gesundheitsjournalismus. Durch die Nennung von Urhebern und Informationsquellen soll zum einen Transparenz hergestellt werden; andererseits soll mittels statistischer Informationen empirisch fundiertes Wissen zu Gesundheitsthemen vermittelt werden, um dem informierten Bürger begründete Urteile zu ermöglichen. Im Zentrum dieser Studie stand die Frage, wie Rezipientinnen und Rezipienten wissenschaftliche Belege und Quellen wahrnehmen und wie sich deren Einsatz auf das Erleben und die Bewertung journalistischer Texte auswirkt, also ob die normativ formulierten Ansprüche an den Gesundheitsjournalismus auch einen Mehrwert für das Publikum darstellen. Daher wurde die Frage gestellt, inwieweit Evidenzen in Form von Quellenbelegen, Zahleninformationen und Visualisierungen von Zahlen die wahrgenommene Qualität und Verständlichkeit des Textes sowie das Leseerleben der Rezipienten beeinflussen. Da im Kontext einer erfolgreichen Informationsvermittlung zentral ist, ob rezipierte Informationen anschließend auch erinnert werden können, wurde zudem untersucht, wie sich der Einsatz der verschiedenen Evidenzformen auf die Erinnerungsleistung auswirkt.

Zur Beantwortung der Fragen wurde ein Experiment durchgeführt: In einem journalistischen Text zum Thema Allergien wurden die Angaben wissenschaftlicher Quellen und statistischer Zahlenbelege sowie in den Varianten mit Zahlen deren Visualisierung als Balkendiagramm variiert (jeweils vorhanden vs. nicht vorhanden). Die wahrgenommene Qualität und die Verständlichkeit des Artikels wurden auf einer fünfstufigen Skala erhoben. Zur Messung des Leseerlebens wurde auf Items einer etablierten Skala zurückgegriffen. Die Erinnerungsleistung wurde durch inhaltliche Fragen zu Informationen aus dem Artikel abgefragt.

Die Ergebnisse zeigen, dass der journalistische Einsatz von Quellenbelegen, statistischen Informationen und deren Visualisierung keine signifikanten Effekte auf die Qualitätseinschätzung des Textes hat. Auch Leserleben und Textverständnis sind unabhängig von den drei untersuchten Faktoren. Dies legt nahe, dass statistische Angaben und wissenschaftliche Belege in Gesundheitstexten nicht grundsätzlich das Lesevergnügen und Textverständnis der Leser beeinträchtigen.

Allerdings zeigen sich durch die Manipulation der Zahlenbelege und deren Visualisierung Unterschiede in der Erinnerungsleistung der Befragten. Während Zahlen allein zu einer schlechteren Erinnerungsleistung führen, kann diese durch eine visuelle Aufbereitung der Informationen verbessert werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass zu viele statistische Informationen im Text die kognitiven Kapazitäten der Probanden überstrapazieren. Als Grafik hingegen können Evidenzen womöglich leichter verarbeitet werden und die subjektive Motivation beim Lesen steigern. Für den Gesundheitsjournalismus ergibt sich so die Notwendigkeit, Evidenzen gezielt und angemessen aufbereitet einzusetzen.

Steckbrief

Titel (deutsch): Der Einfluss von Evidenzen auf das Erleben und die Bewertung von gesundheitsjournalistischen Beiträgen aus Rezipientenperspektive
Titel (englisch): The impact of evidence on reader’s evaluation and reading experience in the context of health journalism
Erhebungszeitraum: 05/2017–06/2017
Stichprobe (effektiv): 406
Stand der Informationen: 08.09.2017

Kontakt

Laura Leißner

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