Onlinebefragung

Diffusion eines Nachrichtenereignisses

Karnowski, Veronika & Knöpfle, Maria

Diffusion eines Nachrichtenereignisses

Ausgangspunkt der Studie war die Frage wie sich die Nachricht zum Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt in der Gesellschaft verbreitet hat. Der Fokus der Untersuchung lag auf den Kommunikationskanälen, welche in einem ersten Schritt über den Anschlag informiert haben. Sie wurden für die Untersuchung in die klassischen Kommunikationskanäle (interpersonal & massenmedial) sowie die Onlinekommunikation (bidirektional & unidirektional) eingeteilt.

Zur interpersonalen Kommunikation zählen die direkte und standortbezogene Kommunikation sowie die Telekommunikation zwischen zwei oder mehreren physisch anwesenden Personen. Als traditionelle massenmediale Kommunikation werden z.B. die Angebote des Fernsehens und Radios erfasst.

Um die Onlinekommunikation abzugrenzen, wurde für die vorliegende Untersuchung eine Differenzierung nach der Kommunikationsrichtung vorgenommen. Da die Datenübertragung infolge des interpersonalen Austauschs überwiegend in beide Richtungen stattfindet (z.B. WhatsApp) wird diese Art der Kommunikation als bidirektionale Onlinekommunikation bezeichnet. Professionelle Kommunikatoren wie insbesondere im Onlinejournalismus wenden sich mit dem hauptsächlichen Zweck der Informationsvermittlung in eine Richtung an ihr Publikum und bilden somit die unidirektionale Onlinekommunikation (z.B. Nachrichten-Webseite oder Präsenz eines Mediums bei einem sozialen Netzwerk).

Es zeigte sich u.a., dass die klassischen und die online basierten Kommunikationskanäle in etwa gleich oft erstmalig über den Anschlag informiert haben. Die medial einseitige Kommunikation (massenmedial & unidirektional online) kam wesentlich häufiger vor als die interpersonale zweiseitige Kommunikation (interpersonal & bidirektional online).

Die unidirektionale Onlinekommunikation war der durchdringendste Kommunikationskanal. Besonders häufig wurde die Nachricht von dem Anschlag über Smartphones bzw. internetfähige Handys empfangen. Betrachtet man die einzelnen Erstinformationsquellen, welche durch das jeweilige Zusammenfassen einen Kommunikationskanal bilden, stellt das Fernsehen die Quelle dar, über welche die meisten Personen von dem Anschlag erfahren haben. Danach folgt die interpersonale standortbezogene Kommunikation. Ferner konnte festgestellt werden, dass jüngere Personen eher online von dem Anschlag erfahren haben als ältere Personen und, dass höher Gebildete die Nachricht eher interpersonal weitergegeben haben als niedrig Gebildete.

Die Befragung wurde 36 Stunden nach dem Anschlag durchgeführt, um ein Erinnerungsproblem der Befragten zu vermeiden. Die Untersuchung knüpft an zahlreiche ereignisbezogene Nachrichtendiffusions-Studien an, die bereits außergewöhnliche und unerwartete Ereignisse analysiert haben (z.B. die Ermordung von Präsident Kennedy oder die Terroranschläge 09/11).

Steckbrief

Titel (deutsch): Diffusion eines Nachrichtenereignisses
Titel (englisch): Diffusion of a News Event
Erhebungszeitraum: 12/2016–01/2017
Stichprobe (effektiv): 2.443
Stand der Informationen: 02.07.2017

Kontakt

Maria Knöpfle

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