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Zum Einfluss sozialer Erwünschtheit auf die...

Hoffmann, Adrian; Waubert de Puiseau, Berenike & Musch, Jochen

Zum Einfluss sozialer Erwünschtheit auf die Validität von Wahlprognosen am Beispiel der Partei „Alternative für Deutschland (AfD)“

Sozial erwünschtes Antwortverhalten gefährdet die Validität von Wahlprognosen. Wird ein öffentliches Bekenntnis zu einer der zur Wahl stehenden Parteien als sozial unerwünscht empfunden, führen Umfragen im Vorfeld potenziell zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Stimmanteils bei der Wahl. So sagten beispielsweise Umfragen im Vorfeld einer Schweizer Volksinitiative im Jahr 2009 klar die Ablehnung eines zur Abstimmung gestellten Minarettverbots vorher (gfs.bern, 2009a, 2009b), tatsächlich wurde dieses jedoch von 58% der Teilnehmer befürwortet und deshalb nach der Abstimmung in die Schweizer Verfassung aufgenommen. Auch für die Partei „Alternative für Deutschland (AfD)“ konnten bei der Bundestagswahl 2013 Abweichungen zwischen dem vorhergesagten und dem tatsächlich erreichten Stimmanteil beobachtet werden. Umfragen kurz vor der Wahl sagten einen Stimmanteil von lediglich 2,5-3% vorher (Zicht & Cantow, 2013); tatsächlich erreichte die AfD jedoch 4,7% der Stimmen und verfehlte damit nur sehr knapp den Einzug in den Bundestag. Möglicherweise fiel es Teilnehmern der Vorwahlumfragen schwer, sich öffentlich zur häufig als rechtspopulistisch kritisierten AfD zu bekennen.

In der vorliegenden Studie wurde unmittelbar vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2016 untersucht, ob durch die Verwendung einer indirekten Befragungstechnik die Validität von Wahlprognosen für den Stimmanteil der AfD gesteigert werden kann. In indirekten Befragungen wird eine Zufallsverschlüsselung vorgenommen, um die Vertraulichkeit individueller Antworten zu gewährleisten. Wenn dadurch ein möglicher Einfluss sozialer Erwünschtheit reduziert werden kann, sollte dies zu einem erhöhten Anteil ehrlicher Antworten führen.

Die Auswertung der Antworten von 1447 Wahlberechtigten aus Baden-Württemberg zeigte, dass sich 5.0% der direkt Befragten zu einer Wahl der AfD bekannten. Die indirekte Befragung ergab eine um fast die Hälfte höhere Schätzung von 7.2%; offensichtlich war ein größerer Teil der Befragten bereit, sich zur Wahl der AfD zu bekennen, wenn Ihnen die Vertraulichkeit ihrer Antworten durch eine indirekte Befragung zugesichert wurde. Dieses Ergebnis läßt es sinnvoll erscheinen, indirekte Befragungstechniken in Zukunft bei der Erstellung von Wahlprognosen als vielversprechende Alternative zu den bislang üblichen direkten Befragungen insbesondere dann in Betracht zu ziehen, wenn Sympathieäußerungen für eine oder mehrere der konkurrierenden Parteien als sozial unerwünscht empfunden werden könnten.

Literatur

gfs.bern. (2009a). 'Minarett-Initiative': Das Nein überwiegt – SVP-Wählerschaft dafür. Online verfügbar

gfs.bern. (2009b). 'Minarett-Initiative': Ja nimmt zu - Nein unverändert stärker. Online verfügbar

Zicht, W., & Cantow, M. (2013). Sonntagsfrage Bundestagswahl 2013. Online verfügbar

Steckbrief

Titel (deutsch): Zum Einfluss sozialer Erwünschtheit auf die Validität von Wahlprognosen am Beispiel der Partei „Alternative für Deutschland (AfD)“
Titel (englisch): Investigating the influence of social desirability bias on the validity of election forecasts using the example of the party “Alternative für Deutschland (AfD)”
Erhebungszeitraum: 03/2016
Stichprobe (effektiv): 1.447
Stand der Informationen: 26.07.2016

Weitere Informationen

Diagnostik und Differentielle Psychologie (Universität Düsseldorf)

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