Onlinebefragung

Smartphonenutzung als Suchtverhalten

Fippel, Julia

Smartphonenutzung als Suchtverhalten

Risikofaktoren, die das Smartphonesuchtpotenzial eines Menschen bestimmen

Smartphones sind ein ständiger Begleiter im Alltag der Menschen. Aufgrund steigender Nutzer- und Verkaufszahlen sowie einer intensiven Nutzung dieses Mediums geraten auch negative Folgen des Gebrauchs verstärkt in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Vor allem das Phänomen einer Smartphone- bzw. Handysucht steht im Mittelpunkt der Forschung. Als süchtig gelten dabei die Personen, bei denen eine exzessive und unkontrollierte Gerätenutzung vorliegt sowie negative Konsequenzen im Leben der Person auftreten (LaRose, Lin & Eastin, 2003).

Von besonderer Brisanz ist hierbei die Frage danach, welche Risikofaktoren zur Entstehung einer Smartphonesucht beitragen. Der Fokus bisheriger Studien lag dabei entweder auf den Persönlichkeitsmerkmalen eines Individuums wie Extraversion, Selbstwertgefühl, Alter oder Geschlecht (Bian & Leung, 2015; Ehrenberg et al., 2008; van Deursen, Bolle, Hegner & Kommers, 2015) oder auf den Einfluss von Nutzungsmotiven (Khang, Kim & Kim, 2013). Eine Betrachtung der verschiedenen Risikofaktoren innerhalb einer Studie fehlte bisher.

Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Studie untersucht, durch welche Persönlichkeitsmerkmale und Nutzungsmotive sich eine smartphonesuchtgefährdete Person auszeichnet und welche Smartphone-Funktionen die Entstehung eines suchtartigen Smartphonenutzungsverhaltens begünstigen. Untersucht wurden dabei psychologische Persönlichkeitsmerkmale (Big Five der Persönlichkeit (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit), Impulsivität, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeitserwartung und Lebenszufriedenheit) sowie soziodemografische Eigenschaften (Alter, Geschlecht, Einkommen, Familienstand, Bildungsniveau) einer Person, vier Hauptnutzungsmotive (affektiv, kognitiv, sozial-interaktiv und integrativ-habituell) sowie 15 Smartphone-Funktionen. Für die Diagnose des Vorhandenseins einer Smartphonesucht wurde eine Skala entwickelt, welche sich an den in der Forschung akzeptierten Kriterien einer Verhaltenssucht von Brown (1993, 1997) orientiert.

Mit Hilfe der Online-Befragung konnte festgestellt werden, dass 85 Personen (rund 13 %) relativ gesehen als süchtig einzustufen sind. Dabei handelt es sich um 53 Frauen und 32 Männer. Bezüglich der Risikofaktoren zeigt sich, dass bei neurotischen Personen, welche ihr Smartphone häufig aus affektiven Nutzungsmotiven nutzen und welche ihr Gerät insbesondere für das Lesen und Schreiben von E-Mails sowie das Aufnehmen von Fotos und Videos gebrauchen, eine hohe Wahrscheinlichkeit vorliegt, smartphonesüchtig zu werden. Dies ist insofern überraschend, da in bisherigen Studien auch andere Persönlichkeitsmerkmale, Nutzungsmotive und Funktionen einen Einfluss auf das Suchtpotenzial eines Menschen hatten. Ursache für die Abweichung ist womöglich die hierarchische Betrachtung aller ausgewählter Risikofaktoren, was in bisheriger Forschung nicht erfolgte.

Literatur

Bian, M. C. & Leung, L. (2015). Linking Loneliness, Shyness, Smartphone Addiction Symptoms, and Patterns of Smartphone Use to Social Capital. Social Science Computer Review, 33(1), 61–79. doi:10.1177/0894439314528779.

Brown, R. I. F. (1993). Some contributions of the study of gambling to the study of other addictions. In W. R. Eadington & J. A. Cornelius (Hrsg.), Gambling behaviour and problem gambling (S. 241–272). Reno: University of Nevada Press.

Brown, R. I. F. (1997). A theoretical model of the behavioural addictions – Applied to offending. In J. E. Hodge, M. McMurran & C. R. Hollin (Hrsg.), Addicted to crime? (S. 13–65). Chichester: Wiley.

Ehrenberg, A., Juckes, S., White, K. M. & Walsh, S. P. (2008). Personality and Self-esteem as Predictors of Young People's Technology Use. CyberPsychology & Behavior, 11(6), 739–741. doi:10.1089/cpb.2008.0030.

Khang, H., Kim, J. K. & Kim, Y. (2013). Self-traits and motivations as antecedents of digital media flow and addiction: The Internet, mobile phones, and video games. Computers in Human Behavior, 29(6), 2416–2424. doi:10.1016/j.chb.2013.05.027.

LaRose, R., Lin, C. A. & Eastin, M. S. (2003). Unregulated Internet Usage: Addiction, Habit, or Deficient Self-Regulation?. Media Psychology, 5(3), 225–253. doi:10.1207/S1532785XMEP0503_01.

van Deursen, A. J. A. M., Bolle, C. L., Hegner, S. M. & Kommers, P. A. M. (2015). Modeling habitual and addictive smartphone behavior: The role of smartphone usage types, emotional intelligence, social stress, self-regulation, age, and gender. Computers in Human Behavior, 45, 411–420. doi:10.1016/j.chb.2014.12.039.

Steckbrief

Titel (deutsch): Smartphonenutzung als Suchtverhalten - Risikofaktoren, die das Smartphonesuchtpotenzial eines Menschen bestimmen
Titel (englisch): Smartphone use as addictive behavior - risk factors that determine the smartphone addiction potential of a person
Erhebungszeitraum: 12/2015
Stichprobe (effektiv): 645
Stand der Informationen: 16.03.2016

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Julia Fippel

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