Onlinebefragung

Die Beziehung zwischen Authentizität und de...

Senf, Konrad & Rauthmann, John F

Die Beziehung zwischen Authentizität und der dunklen Tetrade der Persönlichkeit in provokativen Situationen nach Ego-Depletion

Authentizität leitet sich vom altgriechischen Wort αὐθεντικός (authentikós) ab, was so viel wie „echt“ heißt. Auch unser heutiger Gebrauch dieses Wortes unterscheidet sich nicht viel vom damaligen: Authentisch ist, wer sich „echt“ verhält, sein „wahres Selbst“ ist oder „im Einklang mit sich selbst“ verhält. Übereinstimmend mit der intuitiven Annahme, wird Authentizität auch in der Forschung generell als positive Eigenschaft betrachtet. So soll sie beispielsweise Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden haben.

Unter der "dunklen Tetrade" der Persönlichkeit versteht man vier gesellschaftlich aversive Eigenschaften: Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie, und Sadismus. Diese stellen keine klinisch relevante Persönlichkeitsstörungen dar (jedenfalls nicht wie die Eigenschaften in dieser Studie erhoben worden sind), sondern Persönlichkeitseigenschaften, die in jedem von uns ein Stück weit vorkommen.

In dieser Studie ging es darum zu untersuchen, ob sich Individuen mit höheren Ausprägungen von diesen dunklen Eigenschaften nach aggressiven Handlungen (als Vergeltung nach Provokationen) tatsächlich authentischer fühlen. Unsere Online-Studie setzte dafür Vignetten-Beschreibungen von Situationen von beabsichtigten und unbeabsichtigten Provokationen ein.

In diesem Kontext konnte man erwarten, dass TeilnehmerInnen in den Selbstberichten versuchen, den daraus zu interpretierenden "Eindruck" zu steuern. Deshalb wurden Aufgaben eingesetzt, die die "Selbstkontrolle" der TeilnehmerInnen erschöpfen sollten (diese können in der Literatur zu dem "Ego-Depletion" Phänomen vertieft werden).

Die Daten offenbaren charakteristische Muster in der subjektiven Wahrnehmung von Authentizität bei aggressiven Handlungen. NarzisstInnen und MachiavellistInnen haben u. a. berichtet, dass sie sich besonders authentisch fühlten, wenn sie es trotz niedriger subjektiven Provokation einem Provokateur heimzahlten – also wenn sie sich aggressiv verhielten, obwohl sie den Ansporn gar nicht so schlimm fanden. Dies offenbarte sich nur in der Gruppe, welche die "erschöpfenden" Versionen der Ego-Depletion-Aufgaben absolviert hatten. Dieses Ergebnis ist ein Hinweis dafür, dass solche Neigungen unter normalen Bedingungen unterdrückt werden. PsychopathInnen fühlen sich am authentischsten, wenn sie ihre Tendenz zur Aggression auslebten, u. a. auch bei unbeabsichtigten Provokationen. Für SadistInnen konnte kein derartiges Muster erkannt werden.

Steckbrief

Titel (deutsch): Die Beziehung zwischen Authentizität und der dunklen Tetrade der Persönlichkeit in provokativen Situationen nach Ego-Depletion
Titel (englisch): When the mask falls: Authenticity in the Dark Tetrad of personality in provocative situations after ego-depletion
Erhebungszeitraum: 03/2014–04/2014
Stichprobe (effektiv): 1.566
Stand der Informationen: 07.07.2014

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Konrad Senf

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