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Der Zusammenhang des weiblichen Menstruatio...

Heiden, Leonie , Wagner, Vivian E., Anderl, C., Windmann, S.

Der Zusammenhang des weiblichen Menstruationszyklus mit moralischen Urteilen und Belohnungsaufschub

Basierend auf Untersuchungen von Fessler und Navarette (2003), die zeigten, dass sich der sexuelle Ekel (jedoch nicht der pathogene und moralische Ekel), bei Frauen im Verlauf ihres Menstruationszyklus ändert und weiteren Studien, die einen Zusammenhang von Ekel und moralischen Urteilen nahelegen (vgl. Wheatley & Haidt, 2005; Schnall, Haidt, Clore & Jordan, 2008), ließen wir unsere weiblichen Versuchspersonen im ersten Teil unserer Studie Situationen aus verschiedenen Ekelbereichen (moralischer Ekel, sexueller Ekel, pathogener Ekel) moralisch bewerten und brachten dies mit eigenen Angaben über ihren Menstruationszyklus zum Zeitpunkt der Testung in Verbindung.

Anders als erwartet, konnten wir keine Wechselwirkung zwischen den Ekeltypen und den Phasen des Menstruationszyklus finden. Jedoch zeigte es sich, dass die Frauen in der Zeit vor dem Eisprung (Follikelphase) allgemein milder urteilten als in der Zeit danach (Lutealphase).Dieses Ergebnis könnte daraufhin hindeuten, dass Frauen in der Follikelphase, die auf der Suche nach einem geeigneten Partner zur Fortpflanzung sind, milder in ihrer Beurteilung sind, um potentielle Partner nicht von vorneherein auszuschließen. Um dies aufzuklären, sind jedoch weitere Studien nötig. Zudem sollte das Ergebnis zunächst an einer unabhängigen Stichprobe repliziert werden, bevor weitere Schlüsse gezogen werden können.

Im zweiten Teil der Studie ging es darum herauszufinden, wie die Selbstkontrolle mit den Phasen des Menstruationszyklus zusammenhängt. Dazu verwendeten wir einen in der psychologischen Forschung häufig verwendeten Fragebogen (Monetary Choice Questionnaire), der die persönliche Tendenz erfasst, auf eine kleine unmittelbare Belohnung zu Gunsten einer größeren Belohnung in der Zukunft zu verzichten. Zeigt eine Person die Präferenz, häufiger die sofortigen Belohnungen zu wählen, geht man davon aus, dass diese Person zum Testzeitpunkt eher impulsiv ist. Eine Person, die zur aufgeschobenen Belohnung tendiert, wird als selbstkontrollierter betrachtet.

Es gibt Hinweise zur Annahme, dass Glukose ein wichtiger Bestandteil bei der Aufrechterhaltung der Selbstkontrolle ist und zwar ist ein hoher Blutzuckerspiegel essenziell für die Selbstkontrolle (Gailliot, Hildebrandt, Eckel & Baumeister, 2010). Da der Blutzuckerspiegel in der Lutealphase niedriger ist als in den anderen Phasen und frühere Studien zudem darauf hinweisen, dass Frauen in dieser Periode verschiedene Formen impulsiven Verhaltens verstärkt zeigen (z.B. impulsivere Kaufentscheidungen treffen, mehr essen und mehr rauchen) (Gailliot et al., 2010), nahmen wir an, dass auch die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub in der Lutealphase geringer ist. Dieser Zusammenhang konnte in unserer Studie nicht bestätigt werden. Obwohl Frauen während der Lutealphase in einigen Situationen impulsiver zu handeln scheinen, scheint dies nicht auf das Maß des Belohnungsaufschubs zuzutreffen.

Literatur

Derntl, B., Windischberger, C., Robinson, S., Lamplmayr, E., Kryspin-Exner, I., Gur, R. C., & Habel, U. (2008). Facial emotion recognition and amygdala activation are associated with menstrual cycle phase. Psychoneuroendocrinology, 33(8), 1031–1040.

Fessler, D.M.T. & Navarette C.D. (2003). Domain-specific variation in disgust sensitivity across the menstrual cycle. Evolution and Human Behavior, 24, 406–417.

Gailliot, M. T., Hildebrandt, B., Eckel, L. A. & Baumeister, R. F. (2010). A theory of limited metabolic energy and premenstrual syndrome (PMS) symptoms: increased metabolic demands during the luteal phase divert metabolic resources from and impair self-control. Review of General Psychology, 14, 269–282.

Schnall, S., Haidt, J., Clore, G.L. & Jordan, A.H. (2008). Disgust as embodied moral judgment. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 1096–1109.

Wheatley, T. & Haidt, J. (2005). Hypnotic disgust makes moral judgments more severe. Psychological Science, 16, 780–784.

Steckbrief

Titel (deutsch): Der Zusammenhang des weiblichen Menstruationszyklus mit moralischen Urteilen und Belohnungsaufschub
Titel (englisch): The relationship of the female menstrual cycle with moral judgements and delay discounting
Erhebungszeitraum: 02/2014–03/2014
Stichprobe (effektiv): 385
Stand der Informationen: 07.07.2014

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Vivian Wagner

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