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Organisationsstrukturen und deviantes Verha...

Dischner, Simon

Organisationsstrukturen und deviantes Verhalten

Deviantes Verhalten wie z. B. Sabotage, Diebstahl, „Krank feiern“ und Vandalismus ist ein allgegenwärtiges und dauerhaftes Problem in Organisationen. Schätzungsweise führen bis zu drei Viertel der Mitarbeiter solche Verhaltensweisen durch. Dadurch können erhebliche monetäre Schäden für die betreffenden Organisationen entstehen. Beispielsweise erleiden US-amerikanische Unternehmen jährlich Milliardenverluste aufgrund stehlender und zu spät kommender Mitarbeiter. Vor dem Hintergrund dieser Beispiele verwundert es nicht, dass die Organisationsforschung deviantes Verhalten intensiv erforscht.

Deviantes Verhalten sollte stets im Kontext der Situation betrachtet werden, in der der Akteur Gegebenheiten vorfindet, die Devianz einschränken, aber auch ermöglichen können. Daher muss auch die Organisationsstruktur in besonderem Maße bei der Analyse von Devianz in Organisationen berücksichtigt werden. Die Organisationsstruktur wird in dieser Arbeit in fünf Komponenten unterteilt: (1) das Ausmaß, indem Mitarbeiter unterschiedliche Aufgaben zu verrichten haben; (2) das Ausmaß, inwieweit Mitarbeiter über Aspekte ihrer eigenen Arbeit autonom entscheiden können; (3) das Ausmaß, inwieweit Mitarbeiter an organisationalen Entscheidungsprozessen teilhaben können; (4) das Ausmaß, inwieweit das Ausführen von Aufgaben vorgegeben ist; (5) das Ausmaß, inwieweit diese Vorgaben schriftlich fixiert sind.

Ziel der Studie war es, den Einfluss dieser fünf Organisationsstrukturvariablen auf deviantes Verhalten zu analysieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilhabe an organisationalen Entscheidungsprozessen den stärksten Einfluss auf deviantes Verhalten hat: Je größer die Teilhabe ist, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich Mitarbeiter in Devianz engagieren. Auch für das Ausmaß, inwieweit standardisierte Vorgaben für das Ausführen von Aufgaben existieren, wirkt auf deviantes Verhalten: Je mehr solcher Vorgaben bestehen, desto seltener tritt deviantes Verhalten auf. Für die anderen drei Strukturkomponenten konnte kein statistisch bedeutsamer Einfluss auf Devianz festgestellt werden.

Aus den Ergebnissen lassen sich Implikationen für die Praxis ableiten. Das Verhindern devianten Verhaltens stellt eine Hauptaufgabe des Managements dar. Die Studie zeigt auf, dass bestimmte Komponenten der Organisationsstruktur Stellschrauben darstellen, um Devianz einzudämmen. Gewährt man beispielsweise Mitarbeitern die Teilhabe an organisationalen Entscheidungsprozessen, so kann damit die Hoffnung verbunden werden, dass Devianz seltener ausgeführt wird. Eine mögliche Erklärung für diesen Zusammenhang ist, dass Mitarbeiter sich eher mit ihrer Organisation identifizieren und zufriedener sind, wenn sie an Entscheidungen mitwirken können und ihr deshalb nicht mittels Devianz schaden wollen.

Steckbrief

Titel (deutsch): Organisationsstrukturen und deviantes Verhalten
Titel (englisch): Organizational structures and deviant behavior
Erhebungszeitraum: 07/2013
Stichprobe (effektiv): 470
Stand der Informationen: 22.10.2013

Kontakt

Simon Dischner

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