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Die Wirkung von Negative Campaigning in Deu...

Schmücking, Daniel

Die Wirkung von Negative Campaigning in Deutschland

Die Studie hat als Ziel die Wirkung negativer politischer Werbung in Deutschland zu untersuchen. Bislang betrachtete die Forschung hauptsächlich US-amerikanische Wahlkämpfe. Eine Wirkungsanalyse für Deutschland steht bisher aus. Da es sich deshalb um Grundlagenforschung handelt, wurde sich in der Analyse für eine Reihe von insgesamt sechs Experimenten entschieden, die die Wirkung verschiedener Aspekte von Negative Campaigning untersuchen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Negative Campaigning für den Wahlkampf in Deutschland keine gute Wahl ist. Der Angriff selbst wird in der Regel negativ bewertet, so dass der Angegriffene sogar davon profitiert, wenn er angegriffen wird. Für die Bewertung des Angreifers macht es hingegen keinen Unterschied, ob er angreift oder nicht. Dies ist insofern bemerkenswert, da die Ergebnisse aus den USA eine andere Sprache sprechen. An dieser Stelle wird sehr deutlich, dass das, was im Wahlkampf in den USA funktioniert, noch lange nicht in Deutschland funktionieren muss. Ganz im Gegenteil kann es sogar zu großen Schaden für den Absender des Angriffs führen.

Im Einklang mit den Erkenntnissen aus den USA stehen vor allem die Ergebnisse zur Bewertung des Angriffs und des Angreifers. Der Angriff an sich wird sowohl in den USA als auch in Deutschland negativer empfunden als die positive Selbstdarstellung. Der Unterschied liegt dann in der Wirksamkeit. In den USA gilt die Formel: Negative Campaigning gefällt den Wählern nicht, aber es wirkt. In Deutschland zeigt sich, dass Negative Campaigning den Wählern nicht gefällt und auch nicht im Sinne des Angreifers wirkt. Parallelen zwischen den USA und Deutschland finden sich allerdings auf der Ebene des Angreifers. So kommt es trotz Angriff zu keiner negativeren Bewertung des Angreifers – der Bumerangeffekt bleibt aus. Es kann aber durchaus zu negativen Effekten für den Angreifer kommen, die aber auf die Eigenschaften und Einstellungen der Rezipienten zurückzuführen sind. Für den Angegriffenen ist der Angriff von positiver Wirkung. So kommt es zu Solidarisierungseffekten. Der Angegriffene wird durch den Angriff entsprechend besser bewertet als ohne vorausgegangenen Angriff durch den politischen Gegner. Dieser Effekt macht deutlich, wie gefährlich Negative Campaigning für den Absender in Deutschland sein kann. In der Bewertung der Glaubwürdigkeit zeigen sich wiederum Parallelen zwischen den Probanden in den USA und in Deutschland. Sowohl in Deutschland als auch in den USA wird die positive Selbstdarstellung als glaubwürdiger empfunden als der Angriff auf den politischen Gegner.

Eine der großen Debatten in der amerikanischen Forschungsliteratur betrifft die Frage nach dem Einfluss von Negative Campaigning auf die Demokratie. Die Debatte ist dabei durchaus als gespalten zu betrachten. Einige Studien zeigen einen Anstieg der Wahlbeteiligung durch Negative Campaigning und damit einen positiven Effekt für die Demokratie. Andere Studien zeigen ein Sinken der Wahlbeteiligung und damit eine Gefahr für die Demokratie. Die Ergebnisse für Deutschland zeigen, dass von Negative Campaigning erst einmal keine Gefahr für die Demokratie ausgeht. Ebenso wenig wie ein negativer Effekt konnte ein positiver ausgemacht werden. Die Ergebnisse sind indifferent. In einigen Experimenten sank durch Negative Campaigning die allgemeine Zufriedenheit mit der Demokratie, die Wahrnehmung der Glaubwürdigkeit der deutschen Institutionen blieb jedoch unverändert. Im Gegenteil erhöhte sich sogar in einer Art selbsterfüllender Prophezeiung die Glaubwürdigkeit von Politik und Politikern. In der beabsichtigten Wahlteilnahme oder der beabsichtigten Wahlentscheidung zeigte das Experiment keine signifikanten Unterschiede. Zusammenfassend kann hier also gesagt werden: Negative Campaigning ist weder gut noch schlecht für die deutsche Demokratie.

Steckbrief

Titel (deutsch): Die Wirkung von Negative Campaigning in Deutschland
Titel (englisch): The Effect of Negative Campaigning in Germany
Erhebungszeitraum: 05/2012–07/2013
Stichprobe (effektiv): 1.029
Stand der Informationen: 04.08.2013

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Daniel Schmücking

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