Onlinebefragung

Soziale Präsenz in Onlineumfragen

Schmidt, Alexander W. & Hörstermann, Katharina

Soziale Präsenz in Onlineumfragen

Die Erhebung von Umfragedaten mit Hilfe von Onlinesurveys hat Vor- und Nachteile. Durch das anonyme Umfeld während der Befragung kann die Qualität der Daten leiden. So ist es z.B. nicht möglich zu kontrollieren, dass die befragte Person auch tatsächlich aufmerksam ist und sich nicht einfach durch den Fragebogen „durchklickt“. Genauso stellt ein vorzeitiger Abbruch des Interviews für den Befragten keine Hürde dar. In persönlichen Interviews (sog. face-to-face Befragungen) treten diese Probleme weniger häufig auf. Die Anwesenheit eines Interviewers übt einen sozialen Druck zur Kooperation aus. Der Befragte ist in persönlichen Interviews daher in der Regel aufmerksamer und bricht Interviews seltener ab.

Auf der anderen Seite hat die Onlinebefragung Vorteile gegenüber dem persönlichen Interview. Die Anwesenheit eines Interviewers im persönlichen Interview führt nämlich zu sozial erwünschten Antworten. Sozial erwünschtes Antwortverhalten liegt vor, wenn der Befragte versucht „sich gegenüber dem Interviewer in ein gutes Licht zu rücken“. Man spricht in diesem Fall von Interviewereffekten. Der Wegfall eines Interviewers in Onlineumfragen hat also auch positive Effekte. Die Befragungspersonen geben wahrscheinlich ehrlichere Antworten, da sie sich nicht in einer persönlichen Interaktion befinden.

In unserer Studie untersuchen wir die Auswirkungen von simulierter sozialer Präsenz auf das Antwortverhalten der Befragten. Inhaltlich stellen wir den Teilnehmer Fragen zu ihren Einstellungen gegenüber Sexismus, Geschlechterrollen und Geschlechtergleichstellung. In einer Kontrollgruppe verwenden wir eine klassische Onlinebefragung ohne soziale Elemente. In den Experimentalgruppen verwenden wir einmal Fotos einer weiblichen Interviewerin und einmal Fotos eines männlichen Interviewers. Außerdem variieren wir die Attraktivität der abgebildeten Personen

Im Ergebnis zeigt sich, dass Befragungspersonen auf die simulierte soziale Präsenz reagieren indem sie ihre Antworten verändern. Männer und Frauen antworten in den Experimentalgruppen stärker sozial erwünscht. Weibliche Befragte reagieren bei männlichen Interviewern auch auf die Attraktivität des Interviewers. So verurteilen Frauen Sexismus weniger stark, je attraktiver der männliche Interviewer ist. Wir konnten in der Studie also zeigen, dass die Simulation sozialer Präsenz den erwarteten negativen Effekt auf das Antwortverhalten hat: Die Befragten verändern ihre Antworten in Richtung des sozial Erwünschten.

Die erwarteten positiven Effekte der Simulation von sozialer Präsenz konnten dagegen nicht nachgewiesen werden. Die Abbruchquoten und die Zahl der Antwortverweigerungen waren in den Experimentalgruppen höher als in der Kontrollgruppe. Somit konnten wir keine Steigerung der Kooperationsbereitschaft durch die Simulation sozialer Präsenz erreichen. Insgesamt sprechen unsere Ergebnisse also gegen die Simulation von sozialer Präsenz in Onlineumfragen.

Steckbrief

Titel (deutsch): Soziale Präsenz in Onlineumfragen
Titel (englisch): Social Presence in Online Surveys
Erhebungszeitraum: 02/2013–03/2013
Stichprobe (effektiv): 1.406
Stand der Informationen: 17.05.2013

Publikationen

Schmidt-Catran, A.W. und Höstermann, K. (2013). Soziale Präsenz in Onlineumfragen. Methoden, Daten, Analysen, 7(3), S. 319 - 432. Online verfügbar (Open Access)

Weitere Informationen

FAZ-Artikel zur Studie

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